Tag 11: Higashimatsushima

Am letzten Konzerttag ging die Reise in der Früh mit dem Shinkansen in den Norden an Fukushima vorbei bis nach Sendai. Von dort brachte uns ein Bus nach Higashimatsushima, das vom Tsunami vor eineinhalb Jahren schlimm betroffen war. Insgesamt starben mehr als 2.000 Personen. Aus diesem Grund engagiert sich hier Bosch mit sozialen Projekten, eben auch mit Konzerten. Das erste an diesem Tag fand am Nachmittag in der Yamoto First Junior Highschool vor 600 Schülern statt. Das verkürzte Programm mit dem Bach Doppelkonzert, der Kleinen Nachtmusik und einer Streicherbearbeitung eines japanischen Volksliedes kam sehr gut an.

Im Anschluss wurden wir mit dem Bus durch die vom Tsunami am ärgsten zerstörten Stadtteile gefahren. Die Zerstörungskraft der Flutwelle muss furchtbar gewesen sein, da selbst in 1,5 km Entfernung von der Küste kein Haus unbeschädigt blieb. Der küstennahe Bereich dieser Stadt ist nun völlig unbewohnt, Ruinen prägen das Bild, Reisfelder sind auf Jahre unbestellbar.

Das letzte Konzert der Tournee fand schlussendlich im Community Center statt. Im Publikum saßen sehr viele Betroffene, für die das Konzert eine willkommene Abwechslung war. Nach dem Konzert ging es mit dem Bus zurück zum Hotel nach Sendai.

Tag 10: Kioi Hall

Die Kioi Hall gehört wohl zu den bekanntesten und besten Konzertsälen in Japan. Der Saal ist nicht nur akustisch hervorragend, sondern macht auch optisch einen schönen Eindruck. Im Gegensatz zu anderen Sälen ist auch das Foyer sehr gelungen und freundlich. Es stand wieder die Verklärte Nacht am Programm. Auch in diesem Konzert hinterließ die Interpretation Pichlers und des Orchesters einen sehr starken Eindruck. Das Publikum applaudierte kräftig. Die Bach Air als Zugabestück machte sich gut und bewegte das Publikum spürbar. Zur großen Freude der Musiker kam der ehemalige Kollege Tetsuya Hayashi zum Konzert und verbrachte den ganzen Abend mit dem Orchester.

Nach dem Konzert lud die Agentur zu einem gemeinsamen Abendessen ein. Bier und Sake waren sehr lecker, das Essen ebenso. Vor allem die Jakobsmuscheln schmeckten fantastisch. Bei seiner Tischrede musste der Agenturchef einräumen, dass er das Publikum wohl falsch eingeschätzt hatte. Schönberg ist doch kein Problem. Ich hoffe, er erinnert sich bei den nächsten Programmverhandlungen!

Tag 8: Konzert in Musashino

Musashino ist eine kleine Stadt innerhalb der Präfektur Tokyo. Das Kulturzentrum ist sehr aktiv und verfügt über zwei wunderbare Säle. Das SKO hat auf früheren Tourneen hier schon gespielt. Auf der Busfahrt wurde wieder einmal klar, wie groß Tokyo eigentlich ist. Auf der Karte schien es nicht weit von Zentral-Tokyo zu liegen. Die Busfahrt dauerte aber auch ohne größere Verkehrsbehinderungen eine gute Stunde.

In dem Konzert wurde zum ersten Mal die Verklärte Nacht von Schönberg gespielt. An der Reaktion des Publikums konnte ich die Bedenken der Agentur, dass das viel zu modern sei, nicht bestätigt finden. Im Gegenteil, eigentlich wurde das Werk besser aufgenommen als das „Standardrepertoire“. Vielleicht traut die Agentur dem japanischen Publikum doch zu wenig zu? Allerdings ist ein Großteil der Begeisterung sicherlich der Leistung des Orchesters und Günter Pichlers zuzuschreiben. So farbig und überzeugend habe ich die Verklärte Nacht noch nie gehört. Ich freue mich schon auf die nächste Aufführung morgen in der Kioi Hall!

Nach der Rückkehr ins Hotel so etwas um 22.30 verteilten sich die Musiker auf unterschiedliche Restaurants in der Gegend. Davon, dass man hier zu dieser Uhrzeit noch etwas dermaßen leicht zum Essen findet, kann man in den meisten europäischen Ländern wohl nur träumen. Ganz zu schweigen, von der Qualität des Essens.
.

Tag 7: Konzert in der Symphony Hall

Zu Mittag machte sich das Orchester zu Fuß auf den Weg zur nahen Symphony Hall. Dieser wunderbare Konzertsaal wurde auch angeblich von Herbert von Karajan in höchsten Tönen gelobt. Er gehört wohl zu den besten Sälen in Japan. Nach einer verlängerten Anspielprobe begann das Konzert um 14 Uhr. Der Saal war sehr gut besucht. Vielleicht durch die fantastische Akustik beflügelt, war es wohl das beste Konzert bisher.  Günter Pichler leitete wieder einmal mit musikalischer Leidenschaft. Das Publikum war offensichtlich ebenfalls begeistert und applaudierte kräftig. Auf ein Neues fiel mir die Konzentration und Disziplin im Saal auf. Kein störendes Rascheln, keine endlosen Hustenanfälle und schon gar kein Handyläuten störten das Konzert.

Image

Image

Nach dem Konzert ging es mit Taxis zum Shinkansen-Bahnhof. Die Rückfahrt nach Tokyo war angenehm und schnell, wir erreichten das Hotel um ca. 21 Uhr. Der lange Tag fand einen wunderbaren Abschluss mit japanischen Köstlichkeiten. Ganz besonders mundete das Tai-Sashimi. Tai ist eine Doradenart und wird angeblich gerne zum Jahreswechsel gegessen

Tag 5 und 6

Tag 5: Konzert in Yokohama

Das zweite Konzert fand in der Minato Mirai Hall in Yokohama statt. Der Saal ist ziemlich groß und umfasst ca. 1.500 Personen. Obwohl das Konzert um 13.30 stattfand, war der Saal so gut wie ausverkauft. Das Publikum bestand allerdings überwiegend aus älteren Personen. Dennoch war die Begeisterung groß. Die Akustik im Saal war grandios, das Konzert ein fantastischer Erfolg. Unsere japanische Geigerin Satoko Koike wurde von Günter Pichler gebeten, die Zugaben anzusagen. Trotz einer gewissen Nervosität hat sie es so sympathisch absolviert, dass sie vom Publikum spürbar ins Herz geschlossen wurde. Danke Satoko!

Image

Image

Image

Tag 6: Nach Osaka

Heute war ein Reisetag. In Japan gestalten sich solche angenehmer als man von Tourneen sonst gewohnt ist. Die Koffer werden im Hotel abgeholt. Man steigt in den Shinkansen, schläft ein bisschen im Zug und nach kurzer Zeit ist man am Ziel. Im Hotel klappt alles, die Koffer werden geliefert, man trinkt ein Bier und geht gut Essen. Wie im Urlaub, nur dass man sich selbst um nichts kümmern muss!

Tag 4: Erstes Konzert

Das erste Konzert fand in Chigasaki statt, das ca. 30 km südwestlich von Yokohama liegt. Die Busfahrt dauerte auf Grund der schrecklichen Verkehrsverhältnisse viel länger als geplant. Versüßt wurde sie allerdings mit dem Anblick des Fuji vor der untergehenden Abendsonne.

Image

Günter Pichler wurde bei der Ankunft herzlich begrüßt, da er 1984 mit dem Alban Berg Quartett hier spielte. Auch das Orchester war bei der letzten Tour schon im gleichen Saal. Nach einer verkürzten Anspielprobe begann das Konzert um 19 Uhr. Das Programm mit der Tschaikowsky Serenade wurde sehr gut aufgenommen. Schon nach dem ersten Teil gab es zahlreiche Bravorufe. Die Rückfahrt klappte dann viel schneller. Der Abend klang mit einem herrlichen Suntory Bier angenehm aus.

Image

Image